19. August 2009
- Kölnischen Rundschau
„Warum haben wir eigentlich einen Staat?“ Jugendliche befassten sich in der FerienAkademie Blankenheim mit Grundlagen der politischen Ordnung - Engagement um etwas...
BLANKENHEIM. „Gleiches Recht für alle - und zwar auch wirklich umgesetzt. Angeglichene Löhne, so dass Gerechtigkeit nicht nur auf dem Papier besteht.“ Das fordert Constanze. Sie hat sich, gemeinsam mit 19 weiteren Jugendlichen, Gedanken darüber gemacht, wie „ihr“ Staat aussehen soll. „Die Wirtschaft darf nur das produzieren, was dem Menschen nicht schadet. Da braucht es auch Grenzen“, fährt sie fort mit selbständig ausgearbeiteten Ideen.
„Eigentlich weicht unser Bild eines Staates nicht groß vom dem bestehenden ab. Aber es gibt immer Dinge, die wir verbessern können“, erklärt Till. Eine Erkenntnis, die den Verein zur Förderung politischen Handelns freuen dürfte. Denn dieser ist der Veranstalter der achttägigen „FerienAkademie Politik“ in der Blankenheimer Burg. „Die Jugendlichen haben hier die Möglichkeit, Grundlagen der Politik und Wirtschaft zu erlernen und die Zusammenhänge zu verstehen. Aber vor allen Dingen sollen sie selbst nachdenken. „Warum haben wir einen Staat? Und wie wollt Ihr Eure politische Ordnung?“, fasst Judith Hartmann, eine der drei Seminar-Leiter, zusammen.
Die Teilnehmer, die aus allen Teilen Deutschlands nach Blankenheim anreisten, hat das vielfältige Programm angesprochen. „Es war super interessant, sich mit dem Menschenbild auseinander zu setzen“, erklärt Constanze. Während Frederike und Jana der Meinung sind: „Der dritte Tag, an dem wir uns mit Karl Marx und seiner Kapitalismus-Kritik befasst haben, war besonders spannend. Da ging es durchaus heiß hin und her. Man stellt schon fest, dass unser System vielleicht doch nicht so perfekt ist, wie man immer dachte.
Diskussionen gehören zu dem Seminar dazu wie die Butter aufs Brot. „Das ist hier kein Schulunterricht, aber wir wollen schon Methodenkompetenz schaffen. Die Aufgaben sind mal in Textarbeit, mal in stiller Diskussion oder auch als Theaterstück vorzubereiten“, erklärt Judith Hartmann. Und Jana stimmt zu: „Das ist nicht wie in der Schule. Hier ist man viel praktischer orientiert, es ist nicht alles nur pure Theorie. Deswegen waren beispielsweise auch die Rhetorikeinheiten sehr interessant.“
Besuch erhielten die Akademie-Teilnehmer in Blankenheim ebenfalls. In den ersten Tagen sorgten drei Referenten für spannende Themen und Diskussionsstoff. So waren etwa Vertreter der Schülervertretung von Greenpeace, der Grünen Jugend und der Jungen Union auf der Burg. „Mit diesen engagierten Gästen haben wir ein Speed-Dating gemacht. Dabei ging es vor allem darum zu veranschaulichen, wie man mit dem Problem Zeit umgeht. Wie sich Schule, Studium und ein politisches Engagement vereinbaren lassen“, sagt Hartmann.
„Wie, wir fahren schon morgen?“, war die allgemeine Stimmung unter den Jugendlichen, die ab einem Alter von 16 Jahren das Angebot des Vereins zur Förderung politischen Handelns nutzten. „Die Zeit hier ging viel zu schnell vorbei. Das lag zum einen an den Themen, die wirklich spannend und interessant waren, aber zum anderen auch an unserer Gruppe. Das Klima stimmte vom ersten Tag an“, erzählt Till.
Auch Carlotta, die normalerweise in Mailand lebt, erklärt: „So ein Angebot gibt es in Italien nicht. Ich bin froh, dass ich auf meine Mutter gehört habe, die hatte schon einmal an einer solchen Veranstaltung teilgenommen.“ In Blankenheim fand aber nicht die letzte Ferien-Akademie statt, weiß Judith Hartmann: „Es gibt im Jahr sechs bis acht Akademien. Und wir wollen das Angebot für alle finanzierbar machen. Dank Spenden und öffentlicher Unterstützung beträgt der Kostenaufwand nur 30 Euro.“
Die 20 Jungs und Mädels, die in Blankenheim teilgenommen haben, sind sich einig. Sie wollen auch an der Ferienakademie II teilnehmen. „Es ist einfach zu spannend, wenn man merkt, dass sich im Kopf etwas verändert, dass Denkanstöße etwas bewegen“, fasst Sarah zusammen. „Erst einmal müssen wir jetzt aber als Jugendparlament Blankenheim noch etwas bewegen“, erinnert Till. Und so wird weiter überlegt, was beispielsweise der Jugendtreff verändern und anbieten könnte.
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