Die Bergedorfer Zeitung zu Besuch bei unserer FerienAkademie in Lauenburg

Was haben Gummibärchen mit Karl Marx zu tun?
Referentin Nahed Samour fragt ganz direkt: „Welches Produkt würdet ihr kaufen: das aus fairer, ökologischer Herstellung, auch wenn es teurer ist, oder die herkömmlichen Gummibärchen zum niedrigeren Preis?“ Die etwa 20 Teilnehmer an der Ferienakademie Politik in der Jugendherberge am Sportplatz lassen sich Zeit mit der Antwort. Auch das haben sie in den ersten vier Tagen hier schon gelernt: Zuhören, genau überlegen und dann überzeugend argumentieren. Christian sagt schließlich: „Ich gebe zu, ich würde die Tüte kaufen, die preiswerter ist. Selbst wenn ich weiß, dass es ökologisch unbedenkliche Alternativen gibt.“ Der 18-Jährige steht mit seiner Meinung nicht allein da, einige kommen zu dem Schluss, dass die Realität nicht viel mit dem idealisierten Menschenbild von Karl-Marx zu tun hat. Dessen „Kritik des Kapitalismus“ sorgte unter den 16- bis 20-jährigen deshalb für eine besonders leidenschaftliche Diskussion.

Wie kommt man überhaupt dazu, sich mitten in der Ferienzeit acht Tage lang mit den Ideen der alten Gesellschaftstheoretiker auseinander zu setzen? „Wir wollen vor allem herausfinden, was wir tun können, um die Welt ein bisschen gerechter zu machen. Das ist richtig spannend“, meint die 18-jährige Jule.

Genau ist das Ziel des Vereins zur Förderung politischen Handelns. Barbara Bucher ist kaum älter als die Teilnehmer und betreut das Camp ehrenamtlich. Die 23-Jährige ist begeistert, wie kreativ die Jugendlichen bei den Diskussionen, Planspielen und Gruppenarbeiten dabei sind. „Wir langweilen hier nicht mit ellenlangen Vorträgen. Hier können die Jugendlichen am Ende der Woche ihren eigenen Staat entwerfen - nach den Wertvorstellungen, die sie miteinander erarbeitet haben.

Auf die Idee, dass alle Jugendlichen politikverdrossen sind, kommt man nicht mehr, wenn man sich eine Weile unter die Gruppe mischt. Selbst beim Mittagessen ebben die Gespräche über die politische Nachrichtenlage nicht ab. Ungeteilte Empörung darüber, was sich die Politiker in Kiel gerade „geleistet“ hätten. „Die sind doch nur machtgeil“, bringt Torben seine Meinung auf den Punkt. Politisch fair miteinander zu streiten, hätten die längst verlernt, so der 16-Jährige. „Das könnten sie von uns lernen.“

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