19. November 2007
Quelle: Talente im Land - Baden-Württemberg
http://www.tilnetz-bw.de/index.php?op=fieldreports&fieldreport_id=106
FerienAkademie Politik: Eine Woche rund um Politik Wie wird ein Staat gegründet? Welche Ideen und Ideale stecken dahinter? Worauf muss geachtet werden? Wie soll ein Staat organisiert sein? Was hat jeder von uns damit zu tun? Wirtschaft und Politik – zwei ganz unterschiedliche Bereiche?
Es sind Fragen, die auf dem ersten Blick offensichtlich erscheinen und mit denen viele von uns sich normalerweise nicht beschäftigen. Doch um unsere Politik und Gesellschaft besser verstehen und gestalten zu können, müssen wir uns in erster Linie mit diesen Fragen auseinander setzen. Das gleiche hat sich auch der Verein zur Förderung politischen Handeln – v.f.h. – überlegt und so werden jährlich viele Veranstaltungen bzw. Seminare organisiert, um junge Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes politisches Verständnis zu bilden bzw. zu fördern.
Auch ich habe diese Chance wahrgenommen – zunächst aus reiner Neugier – und mich für eine Seminarwoche (20.-27. Oktober 2007) in Weimar entschieden. Auf der FerienAkademie Politik I (so heißt die offizielle Bezeichnung für das Seminar) werden die oben genannte Fragen und Zusammenhänge anhand aktueller politischer Themen erarbeitet und geklärt.
So kam es, dass, während meine Mitschülerinnen und Mitschüler, teils träumend, in den Klassenzimmern saßen und auf das nächste Klingeln warteten, ich zusammen mit einer kleinen Gruppe in einem der Seminarräume in Weimar saß. Dort werden wie gesagt politische, aber auch gesellschaftliche Themen behandelt, darüber diskutiert und argumentiert. Um produktiv und konstruktiv arbeiten zu können, werden der Gruppe einige wichtige (politische) Handwerkszeuge mit auf dem Weg gegeben: Wie arbeite und beteilige ich am besten im Team? Worauf soll ich während einer Diskussion achten? Habe ich meine Argumente schlüssig und überzeugend begründet? Etc.
Zur Erleichterung der Teilnehmenden wurden keine ewig langen Vorträge gehalten. Teilnehmende müssen – nein – sollen nicht alles hinnehmen, was andere behaupten. Konstruktive Fragen und Anmerkungen sind gefragt. Teilnehmende müssen ihren Standpunkt klar definieren und ihn überzeugend vertreten können. „Überzeugen und nicht überreden“ lautet das Motto. Demnach ist es völlig in Ordnung mal zu einer Sache eine ganz andere Meinung als die Gruppe zu haben. Das heißt aber nicht, dass man starr auf seine Position beharrt und andere Meinungen nicht akzeptiert. Wie überall wird Toleranz auch hier stark gefordert, vor allem wenn man gesunde Politik betreiben will.
Politik = Gemeinschaftskunde = viele unverständliche Texte und Zeitungsartikeln lesen? Keineswegs. Diese Gleichung geht auf der Ferienakademie nicht auf. Texte sind wichtig und notwendig, um Hintergrundswissen zu haben. Was aber die Sache interessant und lebendig macht, sind die kleinen Arbeitsaufträgen, die gemeinsam in einer noch kleineren Gruppenarbeit bearbeitet werden. Es wird also noch mehr diskutiert und teilweise „geschnackt“. Nicht immer, aber immer öfter kommen dabei erstaunliche Ergebnisse zusammen. („erstaunlich“ in vielen Hinsichten: z.B. „15 Arbeitsstunden pro Tag sind ziemlich sozial.“ „Wir wollen einen Staat gründen, in dem die Minderheit ein Vetorecht bei Gesetzesbeschlüssen haben“....eine Diskussionsrunde später: „Paahh! Vetorecht! So etwas gibt es bei uns (in der Gruppe) nicht!“ „...die zum Islam konvertierten Moslems, also Deutsche...“ oder „Hatten die Chinesen 10 Mrd. Menschen?“) ...
Zur Verteidigung anderer Teilnehmenden muss ich aber sagen, dass wir diese Ausrutscher gebraucht haben... vor allem wenn von morgens um 9 bis 22+ Uhr abends fast nur gearbeitet wurde. Obwohl es genügend Pausen gab, war die Woche anstrengend, vor allem wegen Schlafmangel...
Es waren aber nicht nur diese kleinen Patzer, die die Stimmung während des Seminars aufgelockert haben, sondern auch viele lustige (teilweise sehr komisch aussehende) Spiele, die die Leiterin und Leiter für die Gruppe vorbereitet haben. Ich verrate nur so viel: jede/r Bio-Lehrer/in würde tot umfallen, wenn sie bzw. er wüsste, dass bei unserem „Evolutionsspielchen“ der Affe die nächste Evolutionsstufe des Huhns darstellt...
Im Nachhinein betrachtet finde ich, dass es eine gute Entscheidung war, an dem Seminar teilzunehmen. Wert war diese Erfahrung auf jeden Fall. Ich würde gerne auch beim FerienAkademie Politik II dabei sein und eigentlich kann ich allen, die von diesem Programm gehört haben, nur empfehlen, selbst teilzunehmen. Ich für meinen Teil habe in diesen 8 Tagen sehr viel dazu gelernt. Mir hat vieles an dem Seminar gefallen, aber ein Spruch finde ich besonders toll: „Entweder du bist schwanger oder nicht, ein bisschen schwanger gibt es nicht!“ =) ...
Falls ihr noch mehr über die Ferienakademie oder über das v.f.h. wissen wollt, fragt mich einfach aus oder geht auf www.vfh-online.de und lasst euch selbst überzeugen.
Thi Van Pham