von Min-ku Chung
Gesellschaft und Politik haben höchste Ansprüche an Energieunternehmen von heute – mehr noch von morgen. Sie erwarten Energieversorgungssicherheit und Klimaschutz zu bezahlbaren Preisen. Wer jedoch fordert jetzt auf Kohlekraft zu verzichten handelt aus sozialen, klimapolitischen und ökonomischen Gründen unverantwortlich.
Versorgungssicherheit bekommen wir nur dann, wenn sehr sorgfältig auf eine langfristige und größtmögliche Diversifizierung von Energieträgern geachtet wird. Wir brauchen also einen breiten Energie-Mix, der die Risiken so gering wie möglich hält. Dazu gehören erneuerbare Energien genauso wie Erdgas. Beide taugen jedoch derzeit nicht für die Erzeugung des Grundlaststroms. Denn dafür sind sie weder kostengünstig noch zuverlässig genug. Fakt ist: Grundlast ist das stabile Rückgrat eines hoch entwickelten Industrielandes. Grundlaststrom wird heute aus Kohle und Kernkraft hergestellt.
Mit Blick auf den geplanten Ausstieg aus der Kernenergie wird diese Grundlast-Basis aber nicht breiter, sondern schmaler. Gleichzeitig wird der Kohlekraftwerkspark älter und älter. Neuinvestitionen genau in diesem Bereich hingegen werden immer schwieriger. Es ist hinreichend in den Medien zu lesen, welche Probleme Unternehmen bekommen, große Kraftwerksprojekte im Kohlebereich über alle genehmigungsrechtlichen und politischen Hürden zu bringen. Somit wird das „energetische Rückgrat“ – zumindest in Deutschland - immer anfälliger.
Die Alternative zu einem leistungsfähigen Grundlast-Kraftwerkspark werden weder Gas noch erneuerbare Energien sein. Die Alternativen bergen das Risiko einer Stromlücke bei drastisch steigenden Strom-Preisen und bedeuten zwangsläufig den Import von Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken aus dem Ausland. Deshalb muss Deutschland, deshalb muss Europa „JA“ sagen zu neuen, modernen und hocheffizienten Kohlekraftwerken.
Fossile Brennstoffe werden weiterhin eine wichtige Rolle spielen, weil sie weder schnell noch einfach zu ersetzen sind. Das gilt besonders auch für die Kohle.
In den vergangenen Jahren wurde viel über die spezifischen Vor- und auch Nachteile der Kohle diskutiert. Fakt ist: Es ist derzeit kaum eine Volkswirtschaft vorstellbar, die mit Blick auf die erheblichen Vorteile der Kohle darauf verzichten wird, diese zur Sicherung des heimischen Energiebedarfs zu nutzen. Denn Kohle ist weltweit noch für lange Zeit in großen Mengen vorhanden. Kohlevorkommen sind geographisch breit gestreut. Und in Relation zur Nutzung anderer Primärenergieträger ist Kohle relativ preiswert. Allein in Deutschland werden heute fast 50 Prozent der gesamten Strommenge aus Stein- und Braunkohle erzeugt. Und es existiert bisher kein realistisches Szenario, nach dem sich 50 Prozent des Stromverbrauchs in naher Zukunft wegsparen oder durch erneuerbare Energien ersetzen lassen. Man kann deshalb davon ausgehen: Kohle wird noch DER dominante Brennstoff des 21. Jahrhunderts sein, ob das nun jedem gefällt oder nicht.
Es macht aber gleichzeitig eines klar: Nur wenn die eingesetzte Kohle gleichzeitig effizienter genutzt wird, und wenn sich die CO2-Emissionen durch neue und innovative Technologien dramatisch verringern, hat der globale Klimaschutz eine Chance! Es besteht sicher keine realistische Möglichkeit, den Staaten dieser Welt die Nutzung ihrer eigenen Ressourcen zu verbieten. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Erdöl, Erdgas oder eben Kohle geht. Wir haben aber die echte Chance, die Nutzung fossiler Energieträger weltweit klimafreundlicher zu machen. Klimafreundlicher durch neue technologische Lösungen.
Die CO2-Abscheidung im Kraftwerk und der Transport des CO2 in sichere geologische Speicher – Carbon Capture and Storage, kurz CCS - ist eine wesentliche Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz. Die CCS-Technologie soll die Energieversorgungsunternehmen in die Lage versetzen,den Klimawandel zu bekämpfen und gleichzeitig dem Bedürfnis der Gesellschaft nach sicherer und günstiger Energieversorgung gerecht zu werden. Auf diesem Weg sind eine „klimafreundliche Stromerzeugung aus Kohle“ und eine sichere Energieversorgung möglich.
Min-ku Chung ist seit 1999 im v.f.h. engagiert und Leiter der Projektkommunikation für Kraftwerksneubauten der Vattenfall Europe New Energy GmbH und Vattenfall Europe Wärme AG. Dieser Artikel gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und weder die des v.f.h. noch des Unternehmens Vattenfall.

Kommentare
was mich an der Debatte wundert, ist dass man 'nur' über Machbarkeit und Industrieinteressen spricht. Ich werde im folgenden annehmen, dass eine Energieversorgung ohne Kohle (und Atom) machbar ist.
Wenn wir den Klimawandel wirksam bekämpfen wollen, braucht es immense Investitionen im Energiebereich - in Deutschland und dem Rest der Welt - und ein Umdenken oder Umlenken auf der Nachfrageseite. Beides ist mit ebenso immensen Kosten verbunden. Das sind zum einen die Investitionen und zum anderen die nicht-monetären Kosten, die sich ggf. aus Verhaltensänderungen ergeben. Beide werden letztlich von uns als Gesellschaft in Form von Konsumverzicht zu tragen sein (entweder wir verzichten auf Konsum um Energie zu sparen, oder wir geben unser Geld für Investitionen aus und haben ebenfalls weniger für den Konsum übrig).
Meines Erachtens ist die Entscheidende Frage: Sind wir als Gesellschaft bereit die Kosten einer wirksamen Klimapolitik zu tragen? Wenn ja, dann heisst dass eine gestaffelte aber deutliche Reduktion der CO2-Zertifikate (d.h. höhere Preis für CO2-Emissionen), und massive Investitionen in Kraftwerkspark, Stromnetz und Verbrauchsmanagement.
Wenn es eine klare politische und gesellschaftliche Festlegung auf ein derartiges Szenario gibt, wird es kaum an der Energiewirtschaft scheitern dies umzusetzen. Unternehmen freuen sich meist über von der Politik getragene Investitionsprogramme - vorausgesetzt der Rückhalt ist glaubwürdig genug, um die langfristigen Investitionen rentabel zu machen.
Wenn Energieunternehmen nach wie vor auf Kohle setzen, heisst dass, sie erwarten damit mehr Geld verdienen zu können als mit anderen Energieformen. Es liegt damit an uns die Rahmenbedingungen so zu ändern, dass dem nicht mehr so ist. Klimaschutz ist in erster Linie eine gesellschaftliche Investition. Leider wird in der Debatte zu oft mit dem Finger auf die Energiewirtschaft (oder Min-ku) gezeigt anstatt klar zu sagen: Klimaschutz kostet uns alle hier und jetzt. Entweder wir sind bereit diese Kosten zu tragen, oder wir lassen es sein.
vielen Dank für eure Kommentare. Ich werde sehr gerne auf einzelne Aspekte eingehen, werde aber wohl erst am Wochenende dazu kommen.
Bis dahin euch alles Gute. Freue mich auf die Fortführung dieser Diskussion.
Herzliche Grüße
Min-ku
Wie wäre es vom Ziel her denken? Im Koalitionsvertrag von CDU und FDP steht, dass die Treibhausgasemissionen Deutschland bis 2050 um 80 – 95% gesenkt werden sollen. CDU und FDP, die ja nun nicht gerade bekannt sind für grüne Politik. Das bedeutet, dass diese Ziele eher noch verschärft werden. Folgende Abbildung duh.de/.../... stellt das Mindestziel 80% CO2 Reduktion in Deutschland bis 2050 dem CO2-Ausstoß von den 27 geplanten neuen Kohlekraftwerke gegenüber. Kohlekraftwerke haben Laufzeiten von 40 Jahren. Die brauchen sie auch damit sich die Investition rechnet.2050 müssen sie aber schon lange vom Netz sein.
Spätestens 2050 brauchen wir 100% Erneuerbare Energieversorgung. Du hast recht, wir brauchen einen breiten Energie-Mix: Solarenergie, Wind, Wasser, Wellen, Erdwärme, vielleicht Osmose-Kraftwerke, Gezeiten. Ziemlich breit gefächert oder?
Dann sprichst Du die Grundlastfrage an. Der Bedarf an Grundlastkraftwerken sinkt. Das ist z.B. vom IWES untersucht worden. Der Grundlastbedarf geht bis 2050 auf Null zurück.
schluchseewerk.de/.../...
Dem in der IWES-Untersuchung auf Basis des BEE-Szenarios ermittelten, verbliebenen Bedarf an konventionell erzeugter Grundlast in Höhe von 27 Gigawatt (GW) steht im Jahr 2020 absehbar mindestens folgende Grundlastleistung gegenüber: 15,6 GW aus jüngeren Stein- und Braunkohlekraftwerken (Inbetriebnahme oder grundlegende Nachrüstung seit 1990), 11,4 GW aus neuen, derzeit im Bau befindlichen Stein- und Braunkohlekraftwerken (in der Summe: 27 GW); darüber hinaus die derzeit unklare Leistung aus Atomkraftwerken (aktuell 21,5 GW). Das Problem ist also nicht zu wenig Strom in der Grundlast
bee-ev.de/.../...
Auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen erklärt die Ära der Grundlastkraftwerke für beendet:
umweltrat.de/.../...
Es ist ein Umdenken erforderlich. Die Erneuerbaren Energien sind nicht mehr nettes Beiwerk sondern werden zum Mittelpunkt der Energieversorgung. Fluktuierende Einspeisung von Wind und Sonne muss so genau wie möglich prognostiziert werden. Die Last müssen wir per Lastmanagement so gut wie möglich darauf einstellen. Der Energiebedarf muss durch Effizienz-Maßnahmen sinken. Dann muss man sich überlegen wie man den Rest, die sogenannte Residuallast decken kann. Das passiert momentan noch mit all den alten Kraftwerken die noch am Netz sind. In der Übergangszeit mit Gaskraftwerken sowie verstärkt mit den 7GW Pumpspeichern die wir in Deutschland zur Verfügung haben. Speicher nehmen bei immer höheren Anteil Erneuerbarer eine größere Rolle ein. In Zukunft können das in Deutschland beispielsweise Druckluftspeicher sein. Zusätzliche Versorgungssicherheit lässt sich durch starke Stromverbindungen zum Ausland herstellen. Seekabel zur Wasserkraft nach Norwegen und Verbindungen zu unseren Europäischen Nachbarländern. Die Erneuerbaren funktionieren zwar auch dezentral sehr gut, ergänzen sich aber im überregionalen Verbund besonders gut aus. Je besser der Verbund, desto weniger Speicher braucht man.
Kohle ist nicht billig. Externe Kosten der Kohleverstromung werden auch durch den Emissionshandel nicht ausreichend internalisiert. Schäden, des Kohleabbaus, die Quecksilberproblematik von Kohlekraftwerken, das alles verursacht Schäden die die Gesellschaft trägt. Nicht derjenige der das Kohlekraftwerk gebaut hat. Vattenfall hat ja eigentlich schon begriffen dass man keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen kann. Die Begründung Vattenfalls bei der Pressekonferenz zum aufgegebenen Kohlekraftwerksprojekt in Berlin: „Wir haben realisiert dass man sich eben nicht dauerhaft gegen die Erwartungshaltung von Politik und Gesellschaft stellen kann“. Gut erkannt.
Das gern wiederholtes aber dadurch nicht bessere Argument für die CCS-Technologie ist, dass wir sie in Deutschland entwickeln müssen damit China sie nutzen kann. Das ist aber nicht der Antrieb der CCS-Bestrebungen in Deutschland. CCS soll die Krücke der Kohlewirtschaft sein, um noch ein paar Jährchen so weitermachen zu können wie bisher. Unsere Aufgabe für einen weltweiten Klimaschutz ist, zu zeigen wie man ein Industrieland wie Deutschland zu 100% mit Erneuerbaren Energien, CO2-neutral mit Energie versorgen kann. Technische, wirtschaftliche und politische Lösungen aufzeigen. Beispielsweise das EEG ist ein Vorbild für viele andere Länder geworden und sorgt nun auch in anderen Ländern für Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien.
Sichere geologische Speicherung – CO2 endlagern? Wir können die unterirdischen Speicher nur 1x nutzen. Das Gas verschwindet dort unten ja nicht einfach. Die einigermaßen sicheren leeren Erdgasfelder sind in Deutschland sehr begrenzt, saline Aquifere sehr unsicher. Außerdem brauchen wir den Untergrund für Druckluftspeicher, Geothermie, Endlagerung des Abfalls von Kernkraftwerken, der auf gar keinen Fall noch mehr werden darf. Vielleicht werden wir CCS brauchen. Sicherlich nicht für Kohlekraftwerke in Deutschland. Der Speicherraum für CO2 ist zu kostbar, wir brauchen ihn wenn dann für die prozessbedingten Emissionen der Industrie und für Biomasse+CCS, was eine negative CO2-Bilanz hat. Das werden wir brauchen um CO2 wieder aus der Atmosphäre herauszuholen.
- dass das Grundlastkonzept schon längst nicht mehr unhinterfragt ist? Grundlast bedeutet unter anderem: dass man in Zeiten schwacher Nachfrage (wie etwa in der Nacht) die Kraftwerke am Laufen halten und deshalb auf Teufel komm raus Strom absetzen muss per Nachtspeicherheizung und Ähnlichem. Moderne Energiekonzepte schlagen vor, das unflexible System "Grundlast plus Spitzenlast" zu ersetzen durch ein flexibles System, in dem die Produktion in jedem Moment an die Nachfrage angepasst wird und umgekehrt. Das erfordert eine Kombination aus Energieeffizienz, erneuerbaren Energien, von denen durchaus einige grundlastfähig sind (Stichwort Biomasse, Geothermie), Kraft-Wärme-Kopplung, "virtuellen Kraftwerken", in denen dezentrale Kleinerzeuger elektronisch kombiniert werden, intelligenten Netzen, Nachfragesteuerung (z.B. qua intelligente Zähler und Haustechnik), Speichermöglichkeiten,und evtl. Import erneuerbarer Energien z.B. aus solarthermischen Kraftwerken
- dass es diverse Studien gibt, die die Machbarkeit einer Energiewirtschaft ohne Kohle zeigen? (die neueste mir bekannte ist das vom WWF in Auftrag gegebene "Modell Deutschland")
- dass dafür aber ein schnelles Umsteuern nötig ist, während neue Kohlekraftwerke das alte, auf zentralen Grundlastkraftwerken aufbauende System über Jahrzehnte zementieren?
- dass CCS abgesehen von diesem unangenehmen Nebeneffekt (Zementierung der Strukturen) weitere Risiken und Nebenwirkungen birgt: die absolute Dichtigkeit der Lagerstätten ist zweifelhaft, die Lagerkapazität begrenzt, die Auswirkungen auf Grundwasser und Boden unerforscht (Stichwort Versauerung), es gibt Nutzungskonkurrenzen mit der Geothermie, die Kosten sind hoch und die Wirkungsgrade der Kraftwerke sinken?
So viele Fragen.
Selbstverständlich kann Strom aus Wind, Sonne, Biomasse, Wasserkraft, Erdwärme und hocheffizienten Gaskraftwerken auch den Grundlastbedarf decken – also die Energie, die jeden Tag mindestens nachgefragt wird. Dafür benötigen wir deutlich mehr und bessere Stromspeicher, national und transnational ausgebaute, intelligente Stromnetze und flexibel steuerbare Stromlasten - damit auch bei Flaute und Wolkendecke überall genügend Strom angeboten wird sowie die Nachfrage dem Angebot intelligent angepasst wird. Das ist nicht trivial – aber kein prinzipielles Problem.
Schwieriger wird es schon, Kohle und Atom in ein solches System zu integrieren. Denn die großen Kondensationskraftwerke sind viel zu schwerfällig, das stark schwankende Stromangebot von Wind und Sonne optimal zu ergänzen. Wäre es anders, hätten wir nicht bereits an mehreren windreichen und lastarmen Tagen im vergangenen Jahr stark negative Strompreise gehabt: Vattenfall & Co. haben lieber große Geldsummen bezahlt, damit der reichlich vorhandene Windstrom abgenommen wird (!), als ihre eigenen Kraftwerke runterzufahren. Sieht so die kostengünstige Energieversorgung der Zukunft aus?
Kohlekraftwerke sind daher mittel- und langfristig nicht kompatibel mit Erneuerbaren Energien. Von *neuen* Kohlekraftwerken sollten wir dabei erst recht die Finger lassen: Wenn heute ein neuer Kohlemeiler ans Netz geht, muss er noch ohne hochgepriesene CCS-Technologie auskommen, da die gerade erst erforscht wird. Dass das neue Kohlekraftwerk in 15 Jahren mit CCS-Technologie nachgerüstet wird, ist aufgrund des Aufwands und der Kosten äußerst zweifelhaft. Es ist also zu befürchten, dass mit einer heutigen Investitionsentscheidung unverantwortlich hohe Treibhausgasemissionen für Jahrzehnte zementiert werden. Denn ein neues Kohlekraftwerk läuft üblicherweise mindestens 40 Jahre, damit sich die riesigen Investitionssummen überhaupt rentieren. In 2050 darf der Stromsektor in Deutschland jedoch praktisch gar keine Treibhausgase mehr verursachen, wenn wir das Klimaziel von minus 95 Prozent über alle Sektoren erreichen wollen. Da ist dann für kein einziges Kohlekraftwerk Platz mehr, vermutlich nicht mal mit CCS-Technologie.
Wer sich also wirklich Klimaschutz auf die Fahnen schreibt, muss langfristig denken und handeln. Über die Energieversorgungsstruktur in 2050 wird heute entschieden.
Elmar Große Ruse
Zunächst geht es um Versorgungssicherheit und "Stromlücke". Min-Ku argumentiert: "die Alternativen [...] bedeuten zwangsläufig den Import von Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken aus dem Ausland". Dem ist entgegenzuhalten, dass die stochastischen, lokalen Fluktuationen, die den Erneuerbaren Energien inherent sind, durch überregionale Vernetzung ausgeglichen werden können. Eine tragfähige Alternative zur Kohlekraftgrundlast heisst also Investitionen in Erneuerbare Energien und Stromnetz. Ausserdem ermöglicht nachfrageseitiges Lastenmanagement (Stichwort Smart Grid) mittelfristig eine Adaptation der Nachfrage an das Angebot. Das Nichterwähnen dieser wesentlichen Möglichkeiten grenzt an Propaganda.
Danach wird die "Macht des Faktischen" ins Spiel gebracht: "Fakt ist: Es ist derzeit kaum eine Volkswirtschaft vorstellbar, die mit Blick auf die erheblichen Vorteile der Kohle darauf verzichten wird, diese zur Sicherung des heimischen Energiebedarfs zu nutzen." Auf deutsch übersetzt: Solange wir nichts ändern, wird sich nichts ändern, also lasst uns auch nichts ändern. Ein lupenreiner Zirkelschluss. Konkret würde sich etwa ein relevanter Preis auf CO2-Emissionen negativ auf den volkswirtschaftlichen Nutzen der Kohle auswirken.
Zwei abschließende Bemerkungen: Neue Kohlekraftwerke bedeuten ein 50 jährige Festlegung auf weitere CO2 Emission, manifestieren also eine klimafeindliche Sackgasse und verhindern eine notwendige Dekarbonisierung bis spätestens 2050. Falls sich kurz bis mittelfristig ein Grundlastproblem ergibt, sollen ältere Kraftwerke lieber 2-3 Jahre weiter betrieben werden, als 50 Jahre lang mit ca. 4% Effizienzgewinn CO2 zu emittieren.
Schließlich reisst Min-Ku die CO2 Abscheidung im Kraftwerk (CCS) als Lösungsstrategie an. Vattenfall erhält z.B. 180 Millionen Steuergelder seitens der EU, um das Kraftwerk in Jänschwald entsprechend auszurüsten. In der Tat macht es Sinn jede mögliche Klimaschutztechnologie zu fördern. In der Kombination mit einem Verbot eines Neubaus von Kraftwerken ohne CCS kann dem Markt dann überlassen werden, ob CCS eine langfristig kosteneffiziente Technologie ist, und gegenüber Erneuerbaren Energien konkurrenzfähig ist.
Referenzen:
F. Creutzig, J.C. Goldschmidt (2008)
Energie, Macht, Vernunft - Der umfassende Blick auf die Energiewende
Shaker, ISBN 978-3-86858-070-9
Hier herunterladbar:
user.tu-berlin.de/.../...
Hier bestellbar:
shaker-media.eu/.../...
Hier ist eine relevante Studie, die zeigt, wie es auch ohne Kohlekraftwerke geht:
World in Transition – Towards Sustainable Energy Systems. German Advisory Council on Global Change
Earthscan, London, ISBN 1-85383-882-9
www.wbgu.de/.../
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