Verbände, Konzerne, Think Tanks, PR-Agenturen und NGOs beeinflussen politische Entscheidungen durch direkte Lobbyarbeit und die öffentliche Meinung durch Medienkampagnen bis hin zur Gestaltung von Schulbüchern. Wir betrachten verschiedene Mechanismen des oft undurchsichtigen Systems ,Lobby‘ anhand konkreter Beispiele und verschiedener Politikfelder. Im Gespräch mit Gastreferent/innen erörtern wir u.a. die Frage, ob Lobby-Organisationen „die Prinzipien der parlamentarischen Demokratie unterlaufen“ (DIE ZEIT) oder ob sie ein pluralistisches System in einer hochkomplexen Gesellschaft erst ermöglichen. Verknüpfungen zwischen Politik, Wirtschaft und Medien spielen bei nahezu jeder politischen Entscheidung eine Rolle.
Wir werden dementsprechend demokratie- und gerechtigkeitstheoretische Debatten zum Thema führen und kennen lernen. Wir werden ein besonderes Augenmerk auf die dem Lobbyismus inhärente Machtasymmetrie einerseits und auf dessen Chancen und Funktionen andererseits legen. Am Ende soll die Suche nach Möglichkeiten stehen, Lobbyismus in Deutschland und Europa anders – vielleicht demokratischer – zu gestalten.
Abgerundet wird das Programm mit einer politischen Stadtführung durch die Berliner Lobby-Szene.
>> Programm
1. Tag Anreise bis 18.00 Uhr
Lobbyismus in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt Was verstehen wir eigentlich unter „Lobbyismus“? Neben Zahlen, Statistiken und dem rechtlichen Rahmen steht die Funktion von Lobbying in einer Demokratie im Fokus.
2. Tag
Lobbyismus: Bedrohung für die Demokratie? Was läuft schief im derzeitigen Lobby-System? Grundsätzliches und konkrete Beispiele.
Lobbyismus-Debatte I Diskussion mit Dr. Dieter Plehwe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung "Internationalisierung und Organisation" am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und Vorstandsmitglied von Lobby Control e.V. – Initiative für Demokratie und Transparenz (angefragt)
Lobbyismus-Debatte II Diskussion mit Min-ku Chung, Vattenfall Europe
3. Tag
Stadtführung durch die Berliner Lobbyszene Zweistündige Führung durch Berlin-Mitte
Abschlussdiskussion Eigene Positionierung und Möglichkeiten für politisches Handeln
Das Seminar endet um 15:00 Uhr.
>> Der Referent
Timo Lange ist 28 Jahre alt und lebt in Berlin. Er ist Diplom-Politologe (FU-Berlin) und beschäftigt sich als freiberuflicher Dozent und Trainer in der politischen Bildungsarbeit vor allem mit den Themen Rassismus, Migration und Integration sowie Lobbyismus. Darüber hinaus ist er als freier Mitarbeiter bei "ReachOut e.v. - Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitsmus" tätig. Er leitet seit 2004 Seminare für den v.f.h.
>> Interessante Links/Literaturhinweise
Adamek, Sascha. 2008. Der gekaufte Staat. Kö̈ln: Kiepenheuer & Witsch.
Leif, Thomas. 2006. Die fünfte Gewalt: Lobbyismus in Deutschland. Bonn: Bundeszentrale für polit. Bildung.
Lösche, Peter. 2007. Verbände und Lobbyismus in Deutschland. Stuttgart: Kohlhammer.
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 19/2010): Lobbying und Politikberatung.
Link:
http://www.bpb.de/publikationen/GGDWP7,0,Lobbying_und_Politikberatung.html