Moralische Werte sind eine starke politische Triebkraft, so die einen. Alles Schall und Rauch, sagen Gesellschaftskritiker von Marx bis Foucault. Bestenfalls sind Werte ein Widerschein der materiellen Verhältnisse. Schlimmstenfalls dient das Gerede über Werte dazu, reale Macht- und Unterdrückungsverhältnisse zu verschleiern. Philosophisch paralysiert überlassen Linksliberale die Rede von Werten den Konservativen und Fundamentalisten. Mit ihrem „Guide for Grown-Up Idealists“ will die amerikanische Philosophin Susan Neiman George Bush & Co das Feld von Werten und Politik streitig machen. Wir fragen mit ihr, was uns politisch antreibt. Gehören Werte, Ideale, Visionen einer besseren Welt dazu? Braucht eine Gesellschaft sie? Und wie schmal ist der Grat zwischen Begeisterung und Fanatismus bzw. Doktrin?