Wie erinnern wir – und wie wird Erinnerung eingesetzt, instrumentalisiert oder infrage gestellt? In Weimar, einem Ort, an dem sich deutsche Geschichte auf einzigartige Weise verdichtet, gehen wir diesen Fragen nach. Wir erkunden die vielschichtigen Facetten und politischen Dimensionen der deutschen Erinnerungskultur. Dabei steht auch die Frage im Zentrum, ob und wie sich Erinnerungskultur von Erinnerungspolitik unterscheidet – und wo beide untrennbar miteinander verwoben sind.
Gemeinsam besuchen wir historische Orte und setzen uns mit drei zentralen Kapiteln der deutschen Geschichte auseinander: Kolonialismus, Nationalsozialismus und DDR. Zunächst macht eine Stadtführung in Weimar koloniale Kontinuitäten sichtbar und stellt Fragen nach multiperspektivischer und marginalisierter Erinnerung. Ein Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald lässt über NS-Gedenken in Deutschland nachdenken und über die Frage, welche Rolle der Staat in der Ausgestaltung von Gedenken spielen sollte. Abgerundet wird der Dreiklang durch einen Besuch in der Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt, der Diskussionen zur Frage eröffnet, welche Rolle Erinnerung für Versöhnung und Wiedergutmachung spielt. Ausgehend von diesen konkreten Erinnerungsorten und -praktiken fragen wir: Wie wird Erinnerung gestaltet – und von wem? Welche Konflikte entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen? Und wie kann Erinnerungspolitik für gesellschaftliche Verständigung oder politische Zwecke genutzt werden? Wir blicken hierbei auch auf aktuelle Debatten rund um Denkmäler, Gedenkstätten und öffentliche Erinnerung.
In Diskussionen, Workshops und Exkursionen nähern wir uns der Bedeutung von Erinnerung für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt. Das Seminar lädt dazu ein, die eigene Haltung zu Geschichte und Erinnerung kritisch zu reflektieren und die Relevanz historischer Narrative für heutige politische und soziale Aushandlungsprozesse zu erkennen.
Anmeldeschluss ist der 25.02.2026.
Programm
1. Tag
Anreise bis 16:00 Uhr
Erinnerungskultur oder Erinnerungspolitik?
Einführung und Bestandsaufnahme
2. Tag
Ein Blick zurück: Einführung in die Kolonialgeschichte Weimars
Stadtrundgang mit Decolonize Weimar
Diktatur verstehen. Demokratie leben.
Besuch der Gedenkstätte Andreasstraße (Erfurt)
Führung durch die Ausstellung HAFT | DIKTATUR | REVOLUTION: Thüringen 1949 – 1989
3. Tag
Besuch der Gedenkstätte Buchenwald
Führung, Ausstellungsbesuch, Gespräch zu den drei Epochen der Gedenkstätte
4. Tag
Wie erinnern?
Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert auf dem Prüfstand
Das Seminar endet um 14:30 Uhr.
Seminarteam
Milena Täschner, M.A., hat in Dresden und Galway Internationale Beziehungen und Culture and Colonialism studiert und bewegt sich stets irgendwo zwischen Kultur, Politik und Bildung. Derzeit arbeitet sie für die Regionale Entwicklungsagentur für kommunales Bildungsmanagement NRW und das LWL-Museum Zeche Zollern in einem Forschungsprojekt zu ‚Museen gegen Rechtsextremismus‘. Nachdem Milena während ihres Studiums selbst an verschiedenen v.f.h.-Seminaren teilgenommen hat, ist sie mittlerweile nicht nur Mitglied im Vorstand des v.f.h., sondern versucht in ihren Seminaren auch selbst, komplexe politische Themen greifbar und diskutierbar zu machen.
Frederic Forkel ist Historiker und Politikwissenschaftler. Derzeit arbeitet er am Forschungsinstitut für deutsche und europäische Verteidigungsindustrie (ZUsipol) im Bereich der Space-Security und ist Leiter für Raumfahrtgeschichte am Institut für angewandte Raumfahrttechnik (IART) des SeeSat e.V. an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Wissenschafts- sowie NS-Geschichte und der Weltraumsicherheitspolitik.
Organisatorische Hinweise
Die WochenendAkademie Politik richtet sich an Studierende und junge Berufstätige ab 18 Jahren. Die Teilnahme am gesamten Programm sowie die Übernachtung in der Tagungsstätte sind verbindlich. In der Seminargebühr sind Übernachtung und Verpflegung (HP) enthalten. Die Reisekosten sind selbst zu tragen und zu organisieren. Bitte beachtet, dass bei diesem Seminar nur die Halbpension im Teilnahmebeitrag enthalten ist, da wir Termine in der Stadt wahrnehmen. Plant daher bitte Geld für etwaige weitere Mahlzeiten und die ÖPNV Kosten vor Ort ein.