Die Veranstaltung ist ausgebucht, wir haben eine Warteliste eingerichtet.
Die EU sucht verstärkt den Schulterschluss mit Ländern des Globalen Südens – und steht dabei selbst unter wachsendem Druck. Energiekrisen, verschärfter Wettbewerb mit China und den USA sowie Konflikte um Handelsströme, Rohstoffe und Abhängigkeiten verändern die Grundlagen europäischer Außen und Entwicklungspolitik. Gleichzeitig treten Staaten des Globalen Südens selbstbewusster auf, formulieren eigene Prioritäten und hinterfragen alte Abhängigkeiten.
Vor diesem Hintergrund fragt das Seminar: Wie versucht die EU, mit neuen strategischen Partnerschaften, De Risking ihrer Lieferketten und Initiativen wie Global Gateway – ihrem Infrastruktur und Investitionsprogramm für Partnerländer – ihre Rolle im Globalen Süden neu zu justieren? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Kooperation und Machtpolitik, zwischen Hilfe, Eigeninteresse und geopolitischer Rivalität? Und wie glaubwürdig sind europäische Zusagen zu Entwicklung, Klimaschutz und humanitärer Verantwortung aus der Sicht des Globalen Südens?
Ziel des Seminars ist es, diese wechselseitige Beziehung genauer zu untersuchen: Europa sucht Partner, Diversifizierung und Resilienz, während Staaten des Globalen Südens ihre Interessen, Verhandlungsmacht und Entwicklungsziele einbringen. In Gesprächen mit EU Institutionen, der Ständigen Vertretung Deutschlands und Vertreter*innen des Globalen Südens diskutieren wir, wie künftige Partnerschaften gestaltet werden können, die politisch wirksam, fair und zukunftsfähig sind.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Internationale Beziehungen e.V. statt. Die Gespräche werden in Deutsch und Englisch geführt. Seminarsprache ist Deutsch.
Anmeldeschluss ist der 22.10.2026
Programm
1. Tag
Anreise bis 15:45 Uhr
Zwischen Partnerschaft und Abhängigkeit: EU*ropa und der Globale Süden
Ein erster ‚Beziehungs-Check‘
Einführung: Die Beziehungen zwischen der EU und dem Globalen Süden
Entwicklungen – Standpunkte – aktuelle Herausforderungen
2. Tag
EU-vor-Ort I: Gespräche und Diskussionen:
- Europäische Kommission: Generaldirektion für internationale Partnerschaften (DG INTPA)
- Europäischer Auswärtiger Dienst (EEAS) – Einheit zu „Global issues and multilateral relations“
- Interaktives Rollenspiel im Parlamentarium (Besucherzentrum des Europäischen Parlaments)
3. Tag
EU-vor-Ort II: Gespräche und Diskussionen
- Europäisches Parlament: Entwicklungsausschuss (DEVE) bzw. Handelsausschuss (INTA), Europaabgeordnete bzw. MdEP-Mitarbeitende aus verschiedenen politischen Fraktionen
- Vertretung der Afrikanischen Union (AU) bei der EU und den AKP-Staaten oder OACPS (oder alternativ z.B. Botschaft Indiens bei der EU (EU-Indien-FTA) oder Brasiliens bei der EU (z.B. zu Mercosur)
- Ständige Vertretung Deutschlands bei der EU: Referat Entwicklungspolitik
4. Tag
Partnerschaft neu denken: Wie geht es weiter in den Beziehungen zwischen EU und Globalem Süden?
Unsere Positionen und Perspektiven – kritische Bewertung, Ausblick und Abschlussdiskussion
Das Seminar endet um 14:30 Uhr.
Programmänderungen vorbehalten.
Seminarleitung
Iris Weber, M.A., ist Politikwissenschaftlerin und Historikerin, und England (Newcastle-upon-Tyne) ist zurzeit ihr Base Camp. Sie war als Lehrbeauftragte in Politikwissenschaften mit EU-Schwerpunkt an verschiedenen deutschen Universitäten tätig; seit 2014 unterrichtet sich als Gastdozentin an der Odisee-Universität/ Fachhochschule Brüssel. Seit 2004 veranstaltet Iris für den v.f.h. regelmäßig EU-vor-Ort-Seminare in Brüssel und Straßburg, u.a. zu Themen wie Menschenrechts-, Flüchtlings-, Klima-, Außen-und Sicherheitspolitik (inkl. NATO). Beim v.f.h. engagiert sie sich seit der Vereinsgründung 1992. Iris ist u.a. als Länderkoordinatorin für Afghanistan bei Amnesty International UK aktiv.
Johanna Pulheim, M.A., Oberverwaltungsrätin bei der Stadt Köln und stellvertretende Leiterin des Büros für Europa und Internationales. In dieser Funktion ist sie zuständig für außereuropäische Kooperationen und Entwicklungszusammenarbeit. Bevor sie zur Stadt Köln wechselte, war sie Referentin für Nahrungsmittelhilfe der EU und der UN im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Johanna ist Gründungsmitglied des v.f.h., war im Vorstand und engagiert sich seit vielen Jahren in der Bildungsarbeit des v.f.h., zuletzt stärker als Gastreferentin entwicklungspolitischer Veranstaltungen.
Organisatorische Hinweise
Die WochenendAkademie Politik richtet sich an Studierende ab 18 Jahren. Die Teilnahme am gesamten Programm sowie die Übernachtung in der Tagungsstätte sind verbindlich. In der Seminargebühr sind Übernachtung und Verpflegung (HP) enthalten. Die Reisekosten sind selbst zu tragen und zu organisieren. Bitte beachtet, dass bei den Brüssel-Seminaren nur die Halbpension im Teilnahmebeitrag enthalten ist, da wir Termine in der Stadt wahrnehmen. Plant daher bitte Geld für etwaige weitere Mahlzeiten und die ÖPNV Kosten vor Ort ein.