Immer wieder fassungslos beobachtet man aktuelle politische Debatten. Persönliche Angriffe und Übertreibungen gab es zwar immer. Doch Skapegoating, Fearmongering und Opferinszenierung, Strohmänner, Whataboutism, gezielte Provokationen und manchmal auch die glasklare Lüge oder „Bullshitting“ prägen politische Auseinandersetzungen zunehmend.
Was tun, wenn mein Gegenüber ständig das Thema wechselt, mich persönlich angreift oder mit zehn Behauptungen gleichzeitig überschüttet? „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ Widersprechen? Nachfragen? Fakten liefern? Grenzen setzen? Oder das Gespräch abbrechen?
In diesem Seminar beschäftigen uns mit den Grundlagen guten Argumentierens und untersuchen, wie Sprache politische Wirklichkeit rahmt. Wir fragen, wie Populismus, Emotionalisierung, Generalisierungen, Feindbilder und persönliche Angriffe funktionieren – und wie wir darauf reagieren können. Wie können wir auch in schwierigen politischen Diskussionen handlungsfähig bleiben?
Das wollen wir üben: Argumentieren und Gegenargumente entwickeln, schlagfertig reagieren, nachfragen, Behauptungen prüfen, Widerspruch formulieren, Grenzen setzen und sich auch unter Druck behaupten. In Simulationen und Diskussionen testen wir unterschiedliche Strategien und geben uns gegenseitig Feedback. Ein kommunikatives Trainingslager.
Demokratischer Streit bedeutet weder, jedem zuzustimmen, noch jeden überzeugen zu müssen. Entscheidend ist, Unterschiede auszuhalten, Position zu beziehen – und trotzdem miteinander reden zu können.
Anmeldeschluss ist der 27.09.2026
Programm
1. Tag
Anreise bis 18:00 Uhr
Prinzipien vernünftigen Argumentierens
Theorie und Praxis demokratischer Diskurse – mit Übungen
2. Tag
Bausteine der Argumentation
Fakt – Wert – Folgerung und andere Elemente plausiblen Argumentierens
„Sie framen mich jetzt…“
Über die „dunkle Seite“ der Sprache: Metaphern, Generalisierungen, Essentialisierung, Herabsetzungswörter et al.
Umgang mit Störstrategien und Störtypen in Diskussionen
Handlungsfähig bleiben im Angesicht von Emotionalisierung, Überwältigung, Verzerrung, persönlicher Angriffe und Schuldzuweisungen
3. Tag
Raus aus der Bubble:
Das Gespräch mit Andersdenkenden suchen und führen
Das Seminar endet um 15:00 Uhr.
Seminarleitung
Michael Ohnesorge arbeitet als Trainer und Berater für politische Organisationen, Verbände und Unternehmen(sgründer). Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen eigenen Engagements im politischen und zivilgesellschaftlichen Bereich, als Rhetorik- und Kommunikationstrainer, in der Veranstaltungsmoderation und in der Fortbildung von Seminarleiter:innen und Multiplikator:innen. Er ist Mitgründer des Vereins zur Förderung politischen Handelns (v.f.h. e.V.) und entwickelte Unterrichtseinheiten und Lehrkräftefortbildungen für den Lehrstuhl „Didaktik der Politik“ an der Universität Göttingen.
Organisatorische Hinweise
Die WochenendAkademie Politik richtet sich an junge Erwachsene ab 18 Jahren. Die Teilnahme am gesamten Programm sowie die Übernachtung in der Tagungsstätte sind verbindlich. In der Seminargebühr sind Übernachtung im Mehrbettzimmer und Verpflegung enthalten. Die Reisekosten sind selbst zu tragen.